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Die Coronakrise als Neustart einer technologischen Revolution?

 

Ray Dalio äußerte sich unlängst in einem Interview mit der Financial Times, dass die Corona Krise und die hieraus entstehenden Herausforderungen einen Wendepunkt in der Geschichte darstellen könnten. Er vergleicht die aktuelle Pandemie mit anderen historischen Perioden, welche eine ähnliche wirtschaftliche Not zur Folge hatten. Weiter geht er von einem relativ kurzen und harten Abschwung aus. So wie ich, geht auch er von einer adaptiven Wirtschaft aus. Er gesteht den menschlichen Fähigkeiten eine starke Anpassungsfähigkeit zu, welche dazu führen wird, dass wir Menschen uns neu erfinden und gestärkt aus der Krise hervortreten werden. In diesem Zusammenhang spricht er von einer “Umstrukturierung” der Gesellschaft.

 

Ich finde, dass Ray Dalio mit dieser These recht behalten wird. Wir Menschen sind überaus anpassungsfähig. Auch wenn die aktuelle Krise ein noch nie dagewesenes Ereignis darstellt, werden wir auch diesmal Wege finden, um diese zu bewältigen. Aktuell werden die Corona-Auswirkungen linear in die Zukunft extrapoliert, was meines Erachtens nichtzutreffend ist. Ich spreche hierbei von katastrophisieren.

 

Wir sehen aktuell nur die negativen Aspekte. In dem ganzen Dschungel an Meldungen und Nachrichten im Zusammenhang mit den Quartalsverlusten und kurzfristigen negativen Auswirkungen auf die Wirtschaft, verschließen wir uns gegenüber einer weitreichenden Analyse der Zukunft. Dabei digitalisiert die Wirtschaft aktuell in einem Tempo, wie wir es bisher noch nie gesehen haben. Der CEO von Microsoft, Satya Nadella, hat dies zutreffend zusammengefasst: „As COVID-19 impacts every aspect of our work and life, we have seen 2 years' worth of digital transformation in two months.” (zu Deutsch: “Da COVID-19 jeden Aspekt unserer Arbeit und unseres Lebens beeinflusst, haben wir in zwei Monaten eine digitale Transformation von 2 Jahren erlebt.”).

 

Ray Dalio geht sogar noch weiter, laut Ihm befinden wir uns derzeit inmitten einer technologischen Revolution. Diese wird dazu führen, dass die Menschheit enorme Fortschritte im Bereich der Digitalisierung, der Daten und des menschlichen Denkens erzielen werden. Bereits die letzten Jahre haben gezeigt, dass es sich nur noch um den Faktor Zeit handelt bis die Digitalisierung breitflächig und in allen Bereichen der Industrie ankommt. Die Geschwindigkeit hat sich durch Corona nochmals verstärkt. Während meiner Meinung nach sich das Internet und die Digitalisierung in den letzten Jahren inkrementell wandelten, sehen wir nun ein fundamentales Ereignis. Während bei einem inkrementalen Wandel sukzessiv bestehendes weiterverbessert wird, kommt es bei einem fundamentalen Wandel zu einem Paradigmenwechsel. Hierbei kommt es zu erhöhten Unsicherheiten und zu Instabilitäten. Gefolgt von einer verringerten Produktivität und damit eine geringere Performance. Ich glaube das Coronavirus führt nun zu einem fundamentalen Wandel und somit zu einem Paradigmenwandel bei unserem täglichen Leben.

 

 

Branchen und Prozesse, welche sich bisher der Digitalisierung entzogen haben, sind nun Hals über Kopf damit beschäftigt entgangene Jahre nachzuholen. Nun liegt es an den Unternehmen, ob sie der natürlichen Auslese zum Opfer fallen werden oder sich schnellstmöglich anpassen und digitalisieren. Amazon, Alphabet, Microsoft und alle weiteren globalen big Player werden nun alles daransetzen, ihre Marktanteile weiter auszubauen. Um die Herausforderungen zu meistern und in diesem Wettbewerb zu überstehen, bedarf es an einer weitreichenden Sicht der Dinge. Eine Revolution bietet immer auch die Gelegenheit zu radikalen Änderungen von Marktstrukturen und Marktmachtverhältnissen. Nun kommt es darauf an, wer das Fundament für die nächsten Jahre legt und wer sich durch den disruptiven digitalen Paradigmenwandel zur auslese fällt.

 

Solche Unternehmen, welche bereits digital fortgeschritten sind, haben heute die geringsten negativen Auswirkungen durch Corona. Ich glaube, dass das nun auch auf die anderen Unternehmen abfärben wird. Diese werden nun mit Hochdruck daran arbeiten ihre Prozesse weitestgehend zu digitalisieren, um die Kosten zu reduzieren. Selbst die entlegensten Bereiche werden nun von der Digitalisierungswelle eingeholt und überrollt.

 

Ich kann Ray Dalio in seiner These, dass wir uns in einer technologischen Revolution befinden nur zustimmen. Wir (Investoren) sollten heute damit beginnen die negativen Informationen auszublenden und uns mit dem "day after Corona" beschäftigen. Es gab bisher immer ein Danach. Auch diesmal wird das so sein. Im Anschluss der Krise werden wir meines Erachtens endlich die technologische Zeitenwende sehen, die wir seit Jahren herbeischreien. Die Technologie wird in alle Bereiche unseres Lebens Einzug halten. Wer heute die richtigen (Investment-)Entscheidungen trifft, wird übermorgen die Früchte ernten.


"Das Übel, was uns trifft, ist selten so schlimm als das, welches wir befürchten." -Friedrich Schiller-


Wie steht Ihr zu Corona? Chance oder Untergang?

 

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Kommentare: 2
  • #1

    GK (Mittwoch, 06 Mai 2020 22:04)

    Eines meiner Lieblingszitate von WC: „Never let a good crisis go to waste“. Nicht nur beruflich, auch privat kommt man aus einem Tief mit neuem Mut und Optimismus nur, wenn man bereit ist, sich zu ändern. Die adaptiven Disruptoren werden ihren Burggraben (Plattformen, Prozesse, Kundenabhängigkeiten, etc) vergrößern und die „the winner takes in all“ Entwicklungen beschleunigen, weil das Credo „Life is change“ an die Mitarbeiter vorgelebt wird.

  • #2

    Paul (von ONELIFEandme) (Donnerstag, 07 Mai 2020 19:54)

    Hallo GK,

    the winner takes it all ist in heutigen Zeiten völlig zutreffend. Die Digitalisierung in Kombination mit künstlicher Intelligenz führt letztendlich zur Monopolisierung. Durch Daten wird die Plattform besser und hierdurch werden wieder neuen Kunden gewonnen. Das ist ein Kreislauf hin zur Monopolisierung. Andere Wettbewerber werden irgendwann keine Chance mehr haben und in der Bedeutungslosigkeit verschwinden.

    Grüße Paul