· 

Gedanken zur Asset-Allocation

Die Welt hält den Atem an. Das Coronavirus hat weltweit für fallende Kursen an den Börsen gesorgt. Überall wird nur noch von einer Pandemie gesprochen. In einigen Supermärkten sind bereits leere Regale anzufinden. Bei all dem Chaos nahm ich mir die Zeit, um meine Gedanken zur Asset-Allokation zu reflektieren. Hektik führt in solchen Situationen nur zu irrationalen Entscheidungen. Mein Resümee sind nach wie vor Aktien, Gold und Bitcoin. Hier erfährst du, wie ich diese Rückschlüsse ziehe.


Bevor ich mit euch meine Gedanken teile, möchte ich noch ein paar Worte zu unserem Wirtschaftssystem loswerden. Ich bin der Meinung, dass unser Wirtschaftssystem in der Vergangenheit etliche negative Eingriffe erfahren hat. Über den Eingriff in die Preise bis hin zu den Subventionen diverser unproduktiver Branchen oder das zulassen von "too big to fail" und so weiter. Diverse Maßnahmen haben unser Wirtschaftssystem in ein Dilemma befördert, aus dem wir nicht mehr fliehen können. Ich kann das nicht ändern, aber ich muss damit umgehen und es akzeptieren. Reinhold Niebuhr trifft es mit seinem Zitat auf den Punkt: „Gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.“

 

Fangen wir bei dem eigentlichen Problem an, der Deflation. Ungeachtet von der Corona-Pandemie, haben wir seit einigen Jahren schon Tendenzen hin zu einer Deflation. Das Virus wird die Tendenzen nun aber in reale Zahlen umwälzen. Die Zentralbanken weltweit werden die Zinsen noch weiter senken. Woraufhin das Geschäftsmodell der Banken ins bodenlose fallen wird. Die von der Geldpolitik (Zentralbanken) künstlich verflachte Zinskurve wird die Ertragsbasis des Bankensystems erodieren. Das sinkende Eigenkapital der Banken wird zu einer Kreditrationierung führen, da die Regulierungen dies mathematisch begünstigen. Wie löst man aber dieses Dilemma?

 

1. Der Gesetzgeber könnte die Gesetzgebung aufweichen und die Banken deregulieren. Das wird die Banken aber höchstens sporadisch entlasten, da Fintechs in den Markt stürmen und die Margen wieder aufzerren. 2. Die Zentralbank könnte die Zinsen erhöhen. Dadurch würde sie die Wirtschaft aber drosseln und die Deflation würde an Fahrt gewinnen. Zudem würden die Südländer die höheren Zinsen nicht verkraften. Also auch hier glaube ich nicht, dass das Problem gelöst wird. 3. Ferner könnte man das Bargeld abschaffen oder Bargeld bestraffen. Dadurch könnten negative Zinsen bis zum Endverbraucher durchgereicht werden, ohne dass dieser sich dem entziehen könnte. Sollte dieses Experiment nicht funktionieren, so endet diese vermutlich in einer Währungsreform. Klappt es, würden die Sachgüterpreise vermutlich rasant ansteigen. Sachgüter würden eine Neubewertung erfahren. Lieber geringe Dividendenrenditen oder Coupons, wie negative Zinsen. Was würde in solch einem Fall mit der Kerninflation passieren? Ich glaube, dass die Konsumgüterpreise vermutlich eine konstante geringe Inflation aufweisen werden wohingegen die Teuerung nach Sachgütern wahrscheinlich exponentiell ansteigen wird. Alle würden sich in irgendetwas "retten" wollen, um die negativen Zinsen zu umgehen. Das gute wäre, wir hätten eine moderate Inflation im Konsumentenbereich. Das schlechte jedoch wäre eine Aufschiebung der natürlichen Auslese. Unproduktive Unternehmen, welche nur durch geringe oder keine Zinsen überleben, binden auch weiterhin gute Ressource in Ihren Unternehmen. Wir hätten auch dann mit stagnierenden Produktivitätsraten zu kämpfen. Um soziale Ausschreitungen zu vermeiden, wird die Mietpreisbremse vermutlich auf das ganze Land ausgeweitet. Wohnen muss bezahlbar bleiben! Die Staatsanleihen rentieren weiterhin negativ oder steigen nochmals in ihren Kursen. An diesem Punkt sehe ich lediglich zwei Anlageklassen im Vorteil. Aktien und Gold. Für die wenigen unter euch (mich eingeschlossen), die etwas von Bitcoin und Co. halten, besteht auch hier Potenzial.

 

Was aber wenn die Abschaffung von Bargeld nicht oder zu spät erzwungen wird? Dann geraten die Banken in die Bredouille und es kommt zu einer Kreditrationierung. Welche eine Deflation nach sich ziehen wird. Solange wie dies geschieht, sehe ich Aktien im Nachteil. Trotzdem glaube ich, dass es sich hierbei nur um ein Zeitfenster handelt, bis die Zentralbanken weltweit die Geldschleusen öffnen und die Staaten intervenieren. Ab diesem Zeitpunkt werden die Staaten mit ihrer Fiskalpolitik Förderprogramme auflegen und so Geld in den Markt drücken. Die Zentralbanken werden anfangen über den Aufkauf von Staats- und Unternehmensanleihen auch Aktien zu kaufen und womöglich auch Helikoptergeld an jeden einzelnen Bürger ohne Gegenleistung auszuzahlen. Diese Interventionen der Zentralbanken wären ein Experiment und die Folgen unbekannt. Die Staaten würden ihre Schuldenquoten drastisch erhöhen, woraufhin auf lange Zeit mit niedrigen Zinsen oder aber mit einer entfesselten Inflation zu rechnen wäre. Die Bilanzsumme der Zentralbanken weltweit würden in die Höhe springen und auch das begünstigt die Inflation. Nur wenn man erst einmal die Büchse der Pandora öffnet, wie schließt man diese wieder? Auch an dieser Stelle sehe ich Aktien, Gold und Bitcoin alternativlos.

 

Die nächste aufkommende Frage ist nun, was aber wenn die Zentralbanken und die Staaten zu spät intervenieren? Die Deflation würde dramatische Ausmaße annehmen und die Arbeitslosenzahlen würden rasant ansteigen. Spätestens ab hier würden die Zentralbanken und die Staaten intervenieren. Nur müssten diese nun vermutlich die doppelte oder die dreifache Menge aufbringen, um den Markt zu stabilisieren. Sollte das nicht gelingen, wird es auch hier in letzter Konsequenz zu einer Währungsreform kommen. Ich muss mich leider wiederholen, auch dieses Szenario spricht für Aktien, Gold und Bitcoin. Da sich die Welt auch nach einer Währungsreform weiterdrehen wird. Für alle Weltuntergangspropheten tut es mir leid, ich glaube nicht an einen Untergang der Welt.

 

Die hier aufgeführten Gedanken stelle ich mir in den aktuellen turbulenten Zeiten. Jedoch gibt es da noch das Unbekannte und das Unbekannte Unbekannte.

 

Das Unbekannte:

  1. Was passiert, wenn der Endverbraucher negative Zinsen erhält?
  2. Was passiert, wenn der Gesetzgeber Basel aufweicht oder verändert?
  3. Was passiert, wenn morgen ein neues Geldsystem (Währungsreform) etabliert wird?
  4. Was passiert, wenn es zu Helikoptergeld kommt?
  5. Was passiert, wenn die Zentralbanken einen Großteil der Wirtschaft in Ihren Büchern halten?
  6. Was passiert, wenn durch neue Technologie ein neues Geldsystem entsteht?

All das veranlasst mich meine Asset-Allocation nochmals zu überdenken. Aktuell halte ich Aktien und Bitcoins. Meine (Cash-)Notfallreserven zähle ich nicht zum Portfolioanteil dazu.

 

Das einzige, was ich in diesen Zeiten etwas bedauere, ist, dass ich zu wenig Cash zurückgelegt habe. Nun könnte ich die Unternehmen zu Discount-Preisen erwerben. Deshalb werde ich Philip Carrets zwölfte Regel zukünftig mehr beherzigen: Halte immer einen kleinen Teil deines Geldes verfügbar, um langfristige Chancen am Aktienmarkt ausnutzen zu können, wenn sie sich bieten.

 

Zusammenfassung: Ich glaube das jede kommende Krise (wie auch diese) entweder zum Systemausfall führen oder aber in einer starken Inflation enden wird. Aufgrund des Zentralbanken-Dilemmas. Zu hohe Zinsen führen zum Ausfall diverser Länder, zu niedrige Zinsen führen zum Ausfall des Zinsgeschäfts der Banken. Das muss unweigerlich in einer Währungsreform münden. Wann das ist, wissen wir nicht. Man kann ein System sehr lange, trotz grober Fehler, fortsetzen. Wie einst schon John Maynard Keynes bemerkte: "Der Markt kann länger irrational bleiben, als Sie liquide." In letzter Konsequenz bleiben lediglich Sachgüter wie Aktien oder Gold etc.

 

 

- „Wer nicht fähig ist, selber eine Meinung zu bilden und eine Entscheidung zu treffen, darf nicht zur Börse.“ - André Kostolany-

 

Das könnte dich auch interessieren:


Kommentar schreiben

Kommentare: 0