· 

Warum ich Aktien treu bleibe

 

In letzter Zeit mehren sich die Stimmen, dass es demnächst zu einem Crash kommen wird. Viele Investoren, auch die ich als unglaublich Kompetent auf Ihren Gebieten erachte, melden sich hierzu zu Wort. Dies vor allem, um den Crash noch zu befürworten.

 

Die Argumentationsketten sind grundsätzlich sehr schlüssig und irgendwo werden Sie vermutlich recht haben. Markus Krall errechnete für das Jahr 2020 abschmelzendes Eigenkapital der europäischen Banken. Dies verursacht durch die Nullzinspolitik, welches das Geschäft der Banken mit der Kredit-, Transformations- sowie die Sparmarge aufzerren. Ein negativer Einlagezins führt dazu, dass Banken Kosten haben, welche Sie (noch) nicht auf die Kunden umwälzen können. Wer hierzu mehr wissen will, sollte sich seine Videos auf Youtube anschauen oder seine Bücher wie z.B. "Wenn schwarze Schwäne Junge kriegen" lesen.

 

Wenn er nun recht behält, wird dies zu einer Kreditrationierung führen. Banken müssen bei der Kreditvergabe Eigenkapital vorhalten, um neues Geld zu schaffen. Sobald das Eigenkapital sinkt und weniger Kredite vergeben werden, hat dies enorme negative Folgeeffekte (Rückkopplungseffekte) für die Wirtschaft.

 

Dieses Dilemma ist jedoch kaum zu lösen. Um das Geschäft der Banken und das Abschmelzen des Eigenkapitals zu verhindern, wären höhere Zinsen notwendig. Dies würde aber zum Ausfall der südlichen europäischen Länder führen. Die EZB ist sozusagen gefangen in Ihrer eigenen Geldpolitik. Behält sie ihre Politik bei, so werden vermutlich die Banken kippen und viele Unternehmen gleich mit. Ändert sie ihre Politik und erhöht die Zinsen kippen die Südstaaten. Egal was passiert, es führt unweigerlich zu einer Krise.

 

Mir stellt sich hier die Frage, was sind die Alternativen? Was sind die Unbekannten Unbekannten in dieser Gleichung? Welche Szenarien wurden hier außer Acht gelassen?

 

Wenn ich mich nun anhand der Aussagen der Crashpropheten auf eine Krise vorbereite und es käme zu einem Bargeldverbot oder zu Bargeldrestriktionen, dann kann sich die ganze Vorbereitung (auf einen Crash) als falsch erwiesen haben. So absurd es sich anhört, aber dann wären negative Zinsen für jedermann möglich. Die logische Konsequenz ist das Fliehen aus Geld. Bevor es über die Zeit dahinschmilzt (negative Verzinsung) wird es ausgegeben. Für den Aktienmarkt ist es hier fast egal, ob es für Konsumgüter, Investitionsgüter oder als Investition in Aktien ausgegeben wird. Alle drei führen letztlich zu steigenden Kursen. Eine erhöhte Konsum- und Investitionsgüternachfrage führt nämlich letztlich zu höheren Gewinnen der Unternehmen und dies wiederum zu höheren Kursen und Dividenden.

 

Negative Zinsen könnten zudem zu einer völligen Entkopplung langjähriger Marktkennzahlen vom Durchschnitt führen. Dieses neue Paradigma entsteht dadurch, dass letztlich jedes Unternehmen, das zu mindestens eine (positive) Dividende aufweist zu jedem beliebigen Wert von den Investoren gekauft werden muss/wird. In der Vergangenheit wurde für risikobehaftete Investitionen eine Risikoprämie verlangt. Wenn Triple AAA Anleihen 2% abwarfen, musste die Investition in einer risikobehafteten Anlage schon 4% erwirtschaften. In einer Welt mit Negativzinsen von 4% bedeutet dies, dass eine Aktie mit 0,1% Dividendenrendite eine unglaublich hervorragende Investition darstellt. Folgendes von mir erstellte Beispiel erläutert meinen Gedankengang:

 

 

Wenn dieses Szenario eintritt, sind Aktien heute völlig unterbewertet. Eine Bargeldabschaffung ist seit längerer Zeit immer wieder im Gespräch. In jüngster Zeit ist auch immer wieder die Rede von einer Bargeldrestriktion in Form von höheren Güterpreisen beim Kauf mit Bargeld. Dies käme einer negativen Verzinsung gleich. Somit ist mein hier skizziertes Szenario nicht abwegig und theoretisch möglich (auch wenn vielleicht nicht in dem Ausmaß, wie hier gezeigt).

 

Trotz dieser Problematiken (Krisenszenarien etc.) die uns vermutlich in den nächsten Jahren einholen werden, darf aber nicht vergessen werden, dass der große Wirtschaftsboom erst richtig losgeht. Die Weltwirtschaftsleistung wird in diversen Statistiken auf über 370 Bill. US-Dollar im Jahre 2060 beziffert. Unsere aktuelle Wirtschaftsleistung beträgt ca. 140 Bill. US-Dollar. Das bedeutet, dass wir bis dahin weit mehr als die doppelte Menge an Güter produzieren und absetzen werden. Statt sich mit den kurzfristigen Themen auseinander zu setzen, sollte man das große Ganze niemals aus den Augen verlieren.

 

Ferner vermute ich, dass durch künstliche Intelligenz unglaublich viele Branchen aufgemischt werden. Selbst wenn nun zukünftig der gesamte Markt fällt, bedeutet das nicht, dass die KI-Gewinner dazu gehören werden. Digitalisierung führt zu Plattform-Modellen und dies bedeutet, dass der Gewinner den gesamten Markt (fast immer) bekommt (The winner takes it all).

 

Ich bin und bleibe positiv gestimmt für die Zukunft. Auch wenn vieles für eine Krise spricht, birgt die (längerfristige) Zukunft unglaublich viel Potenzial. Ich kenne das Unbekannte Unbekannte nicht, wieso dann auf einen Crash spekulieren.

 

Das könnte dich auch interessieren: